Biodiversitäts­strategie Tabakquartier

  • Erfassung des Ausgangszustands und Berechnung des Biotopflächenfaktors. Evaluation von Defiziten sowie erhaltenswerten Strukturen.
  • Ableitung von Zielbausteinen zur Erhöhung der Biodiversität auf Quartiers- und Baufeldebene.
  • Festlegung von Zieltierarten und deren Habitatansprüchen nach dem Prinzip des „Animal Aided Design“ (Hauck & Weisser, 2015)
  • Entwicklung von Maßnahmen zu Erhöhung der Biodiversität, der Lebensraum- und Strukturvielfalt sowie dem Biotopverbund
  • Entwicklung eines biodiversitätsfördernden Pflegekonzeptes sowie erneute Berechnung des Biotopflächenfaktors für die Planung
StandortTabakquartier, Bremen-Woltmershausen
AuftraggeberinJustus Grosse Real Estate GmbH
LeistungBiodiversitäts­strategie
Bearbeitung2025–2026

Das Tabakquartier in Bremen-Woltmershausen steht exemplarisch für den Wandel eines ehemaligen Industriestandorts zu einem modernen, nachhaltigen Wohnquartier. Vor dem Umbau war das rund 20 Hektar große Areal zu etwa 70 % versiegelt, Grünflächen beschränkten sich weitgehend auf Intensivrasen. Die Lage im Übergang zwischen Weseraue, Ochtumniederung und Kleingartenkolonien macht das Quartier gleichzeitig zu einem wichtigen Trittstein im städtischen Biotopverbund.

Für dieses Potenzial wurde eine Biodiversitätsstrategie nach dem DGNB-Kriterium ENV 2.4 entwickelt – auf Quartiersebene sowie vertiefend für die Baufelder Lord & Lloyd und TQ Home im Auftrag der Justus Grosse Real Estate GmbH. Ausgangspunkt war jeweils eine Bestandsanalyse mit Berechnung des Biotopflächenfaktors sowie die Identifikation erhaltenswerter Strukturen wie historischer Gebäudesubstanz und der standortprägenden Silber-Ahorne.

Darauf aufbauend wurden Zielbausteine formuliert und, nach dem Prinzip des „Animal Aided Design“ (Hauck & Weisser 2015), sechs Zieltierarten festgelegt – darunter Haussperling, Zwergfledermaus und Rostrote Mauerbiene. Für jede Art wurden die Habitatansprüche über den gesamten Lebenszyklus analysiert und in konkrete Maßnahmen übersetzt: Nistkästen, Insektenhotels, Igelhäuser sowie Totholz- und Steinstrukturen.

Herzstück des Quartiers ist der rund 2 Hektar große „FleetPark“ mit strukturreichem Fleetlauf, der Regenwasser temporär zurückhält und als Vernetzungsachse dient. Ergänzt wird das Konzept durch Blühwiesen, Gründächer, Fassadenbegrünung und den konsequenten Verzicht auf invasive Arten.

Auf Baufeldebene zeigt sich, wie sich diese Prinzipien auch unter intensiver baulicher Nutzung umsetzen lassen: Bei Lord & Lloyd steigt der Biotopflächenfaktor durch Dachbegrünung, Versickerungsmulden und Trittsteinbiotope von 0,09 auf 0,20. Bei TQ Home sinkt der rechnerische Wert zwar leicht von 0,27 auf 0,23, da Intensivrasen teilweise durch Gebäude ersetzt wird – die tatsächliche Habitatqualität der Freianlagen verbessert sich jedoch deutlich.

Ein differenziertes Pflegekonzept mit unterschiedlichen Pflegeintensitäten sichert die langfristige Entwicklung der geschaffenen Lebensräume und zeigt, wie Biodiversitätsstrategien wirksam in DGNB-Zertifizierungsprozesse eingebunden werden können.

Maßnahmen zur Steigerung der Biodiversität

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Tabakquartier nach dem Umbau

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